DIN EN 17975: Energiequellen erfassen und Risiken bewerten
Gefährliche Energien und Fluide systematisch erfassen
Bevor geeignete Lockout-Tagout-Maßnahmen festgelegt werden können, müssen die Gefahren bekannt sein. Die DIN EN 17975 stellt deshalb die Erfassung von Energien und Fluiden sowie die Risikobeurteilung an den Anfang des Sicherungsprozesses.
Wer ein Lockout-Tagout-System nach DIN EN 17975 aufbauen oder bestehende Abläufe überprüfen möchte, sollte nicht mit der Auswahl von Schlössern und Verriegelungen beginnen. Zunächst muss geklärt werden, welche gefährlichen Energien und Fluide an einer Maschine oder Anlage vorhanden sind und welche Risiken bei den jeweiligen Instandhaltungsarbeiten entstehen können.
Die DIN EN 17975 verfolgt dafür einen systematischen und risikobasierten Ansatz. Energien, Fluide und die zugehörigen Trenn-, Isolier- und Verteilungsvorrichtungen werden erfasst, lokalisiert und eindeutig zugeordnet.
Energiequellen und Absperrpunkte systematisch erfassen
Neben der von außen zugeführten Energie müssen auch Energien und Fluide berücksichtigt werden, die innerhalb einer Maschine oder Anlage enthalten oder gespeichert sind. Dazu können beispielsweise elektrische, mechanische, hydraulische, pneumatische oder thermische Energien gehören.
In der Praxis müssen deshalb wichtige Fragen beantwortet werden: Welche gefährlichen Energien sind vorhanden? Wo befinden sich die zugehörigen Absperr- und Isoliervorrichtungen? Wie werden diese eindeutig identifiziert? Und welche Restenergien können nach dem Abschalten noch vorhanden sein?
Die eindeutige Kennzeichnung der Energietrennpunkte spielt dabei eine wichtige Rolle. Die DIN EN 17975 empfiehlt, Identifizierungszeichen sowohl an den jeweiligen Vorrichtungen als auch in den dazugehörigen Plänen und Dokumenten einheitlich zu verwenden. Dadurch sollen unter anderem Verwechslungen vermieden und die richtigen Absperrvorrichtungen schneller gefunden werden.
Was bedeuten RI, SI, N und SP?
Auf Grundlage der Risikoanalyse wird entschieden, welches Sicherungsverfahren geeignet ist. Die DIN EN 17975 unterscheidet vier Verfahren:
RI (Reinforced Isolation) bezeichnet die verstärkte Isolierung durch Lockout/Tagout. SI (Standard Isolation) steht für die Standardisolierung durch Lockout. N (Neutralisation) bezeichnet die Neutralisierung von Energien und Fluiden über Steuerungssysteme. SP (Specific Precautions) sind spezielle Vorkehrungen für Tätigkeiten, bei denen Energien oder Fluide weiterhin vorhanden sind.
Die Standardentscheidung sollte nach DIN EN 17975 auf die verstärkte Isolierung (RI) fallen, sofern keine Schwierigkeiten deren Anwendung verhindern.
Was ist das Identifikationsdokument?
Das in der Norm beschriebene Identifikationsdokument ist vereinfacht gesagt die strukturierte Bestandsaufnahme einer Maschine und ihrer gefährlichen Energien und Fluide. Es ist jedoch mehr als eine einfache Liste.
Das Dokument enthält die Identifikation der Maschine, alle zugeführten Energien und Fluide mit den zugehörigen Isoliervorrichtungen sowie enthaltene Energien und Fluide und die Vorrichtungen, mit denen diese abgeleitet oder eingedämmt werden können. Bei komplexen Anlagen können zusätzliche Dokumente für einzelne Untergruppen erforderlich sein.
Das Normbeispiel zeigt darüber hinaus unter anderem Fotos, Referenznummern der Absperrvorrichtungen, die durchzuführenden Maßnahmen, Angaben zur Verifizierung und Referenzen zur Kennzeichnung. Das Dokument hilft somit dem Personal zu erkennen, welche Energie wo getrennt werden muss und welche Maßnahmen dafür erforderlich sind.
Die Dokumente sollen im Rahmen einer technischen Analyse erstellt und genehmigt werden. Die Norm empfiehlt hierfür beispielsweise eine zweistufige Genehmigung durch Instandhaltungs- und Sicherheitsabteilung.
MAKRO IDENT unterstützt bei Analyse und Umsetzung
Unternehmen müssen diese Aufgaben nicht ohne Unterstützung bewältigen. MAKRO IDENT bietet verschiedene Lockout-Tagout-Services für die Bestandsaufnahme, Überprüfung und Umsetzung an.
Mit dem Discovery Service können beispielsweise Maschinen, vorhandene Energiearten und Energietrennpunkte aufgenommen und die nächsten erforderlichen Schritte bestimmt werden. Eine GAP-Analyse dient dagegen dazu, ein bereits vorhandenes LOTO-Programm systematisch zu überprüfen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
MAKRO IDENT bietet darüber hinaus Unterstützung bei der Erstellung von Risikobeurteilungen und Identifikationsdokumenten, bei der Auswahl der richtigen LOTO-Hilfsmittel sowie bei der eindeutigen Kennzeichnung der Absperrpunkte.
Anschließend können die benötigten Brady-Lösungen passend zur jeweiligen Maschine zusammengestellt werden – von mechanischen und elektrischen Verriegelungen über Sicherheitsschlösser bis zu Kennzeichnungen und individuellen Sonderlösungen.
So entsteht die Grundlage für ein LOTO-System, bei dem nicht irgendeine Verriegelung eingesetzt wird, sondern Gefahr, Energietrennpunkt, Sicherungsmaßnahme und Kennzeichnung systematisch aufeinander abgestimmt sind.
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